Ein echter Wirbelwind: Das Tourbillon und die technische Perfektion

Es gibt technisch höchst anspruchsvolle mechanische Uhren mit einer Vielzahl an Komplikationen und unzähligen Einzelteilen. Wahre Meisterwerke der Uhrmacherkunst sind diese Zeitmesser.
Und dann gibt es Tourbillons, denen es noch nicht ausreicht, einfach nur für eine hohe Ganggenauigkeit zu sorgen oder als filigranes Technikwunder geschätzt zu werden. All das trifft auf die kleinen mechanischen Wirbelwinde zwar zu, trifft aber nicht den Kern: Denn Tourbillons schaffen es wirklich, die Schwerkraft zu überwinden.

Abraham Louis Breguet und die Sache mit der Schwerkraft

Der Name Breguet steht nicht nur für eine äußerst renommierte Uhrenmanufaktur, die auf eine fast 250-jährige Geschichte zurückblicken kann. Breguet steht außerdem für das Streben nach Perfektion bei der Herstellung mechanischer Uhrwerke. Die Liste wegweisender Erfindungen, die Abraham Louis Breguet – Gründer und Namensgeber der Schweizer Manufaktur – um die Wende zum 19. Jahrhundert dabei hervorbrachte, ist bemerkenswert.
Abraham Breguet hat in allen Bereichen der Uhrenherstellung nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht und dabei viele gefunden. Seine Neuerungen betreffen Schwungmassen, Federhäuser und auch Zeiger, von denen eine bestimmte Form immer noch seinen Namen trägt. Er gilt als Schöpfer der ersten automatischen Uhrwerke, darüber hinaus schuf er eine spezielle Spirale für die Unruh, eine neuartige Stoßsicherung, ein ebenso neues Hemmungssystem und die erste Armbanduhr.
Im Jahr 1801 meldet der außergewöhnliche Uhrmacher das Patent für seinen Tourbillonregulator an, an dem er die vergangenen sechs Jahre gearbeitet hatte. Breguet störte sich nämlich daran, dass die Erdanziehung bei Taschenuhren Schwerpunktfehler verursacht. Diese beeinträchtigen die Rotationen der Unruh und sorgen damit für unerwünschte Abweichungen.

Ein Wirbelwind für mehr Ganggenauigkeit

Nichts, womit sich ein akribisch arbeitender und perfektionistischer Uhrmacher wie Breguet zufriedengeben würde. Am Ende seiner Überlegungen und Versuche stand 1795 das Tourbillon: Ein meisterliches Gebilde aus rund 70 Einzelteilen, die sich um Unruh, Spirale, Anker und Ankerrad in einem eigens dafür konstruierten Käfig versammeln – und die zusammen doch weniger als ein halbes Gramm wiegen.
Umso mehr Gewicht haben diese Teile in ihrer Wirkung. Durch die Verbindung des Tourbillon-Käfigs mit dem Sekundenrad vollzieht dieser ebenfalls pro Minute eine komplette Drehung um 360 Grad. Mithilfe dieser Rotation konnte Breguet die bis dahin deutlich spürbaren Gangabweichungen von Taschenuhren, die die Schwerkraft hervorrief, ausgleichen.
Der Lohn für die langen Jahre der Entwicklung des überaus komplexen Tourbillons war schließlich die gewünschte höhere Ganggenauigkeit. Bis sich seine Erfindung auch finanziell lohnte, musste Abraham Breguet allerdings noch ein paar Jahre länger warten: Auf dem Uhrenmarkt schlug seine jüngste Neuerung erst 1805 ein, zehn Jahre, nachdem er sie erfunden hatte.
Es gab nämlich ein nicht unerhebliches Problem bei der Verbreitung der neuen Erfindung. Leider waren überhaupt nur wenige Uhrmacher in der Lage, den technisch höchst anspruchsvollen Tourbillon funktionstüchtig nachzubauen. Entsprechend hoch waren die Preise für die wenigen Tourbillon-Uhren, die hergestellt wurden – ein Phänomen übrigens, das vielfach auch heute noch zu beobachten ist. Feinmechanik der Extraklasse hat eben ihren Preis.


Tourbillon-Varianten

Seit Breguets Erfindung haben sich dennoch immer wieder findige Uhrmacher gefunden, die sein Konzept weiterentwickeln konnten. Als besondere Highlights gehören Tourbillons noch heute zum Sortiment renommierter Uhrenhersteller, die dabei ihre eigenen „Feinjustierungen“ vornehmen. In der Nachfolge von Abraham Breguet sind daher verschiedene Varianten des ursprünglichen Tourbillons entstanden:

  • Als Konkurrenz zum Tourbillon erfand etwa der dänische Uhrmacher Bahne Bonniksen 1892 das sogenannte Karussell, bei dem das Laufwerk und die Unruh auf einem drehbaren Karussell lagern.
  • Alfred Helwig erfand 1920 das „fliegende Tourbillon“, das im Gegensatz zum Vorgänger auf eine Lagerbrücke des Käfigs verzichtet, sodass die Konstruktion nur auf der Unterseite des Gestells lagert.
  • Das Gyro-Tourbillon aus dem Hause Jaeger-LeCoultre liefert eine Antwort auf die Problematik, die ein normales Tourbillon mit dynamischen Störungen hat. Die auf drei Achsen angebrachte Mechanik soll die Ganggenauigkeit dann auch beim Laufen gewährleisten – in erster Linie ist es aber ein Ausdruck technischer Finesse.

Jüngere Abwandlungen wie der Doppel-Tourbillon, der Doppel-Achs-Tourbillon oder der Triple-Achs-Tourbillon, die zu Beginn der 2000er Jahre entwickelt wurden sind die neusten Schritte auf der Suche nach konstanter Kraftübertragung und Ganggenauigkeit. Andererseits sind sie Beweis für höchste technische Meisterschaft.
Es ist letztlich auch die Faszination des handwerklich Möglichen in kleinsten Dimensionen, die Tourbillon-Uhren bis heute so begehrt machen. Eine technische Notwendigkeit für die Tourbillons gibt es beim heutigen Stand der Technik – und dabei sind Quarzuhrwerke noch ausgenommen –nämlich im Prinzip nicht mehr.

Die Uhr mit dem besonderen Etwas

Was bei all dem nicht vergessen werden darf: Tourbillons für das Handgelenk sind ebenfalls eine vergleichsweise junge Erfindung. Das hat nicht zuletzt mit den noch höheren technischen Anforderungen zu tun, die das Tragen einer Armbanduhr für den Mechanismus mit sich bringt.
Während Taschenuhren, für die die Tourbillons ursprünglich gedacht waren, für gewöhnlich die meiste Zeit in der gleichen Position verbringen, sind Armbanduhren natürlich häufiger in Bewegung. Erste Versuche, Armbanduhr und Tourbillon trotzdem zusammenzubringen, gab es seit den späten 1940er Jahren, zur Serienreife schaffte es der Armband-Tourbillon aber erst im Jahr 1986.
Von ihrem wahrhaft schwindelerregenden Charme haben die Tourbillons aber über die Jahre nichts verloren – im Gegenteil. Die ungewöhnliche Mechanik des zeitmessenden Wirbelwinds erfreut sich großer Beliebtheit. Das komplexe Zusammenspiel der winzigen Einzelteile und das unentwegte Rotieren ziehen viele Liebhaber mechanischer Uhren in ihren Bann.
Suchen Sie also nach einer wirklich außergewöhnlich raffinierten Armbanduhr, die in ihrer Funktionsweise auch die anspruchsvollste Automatikuhr noch in den Schatten stellt, dann haben Sie mit einer Tourbillon-Uhr genau den besonderen Zeitmesser gefunden, der das schafft.

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